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Chronik

1958-Lehrstuhl für Arbeitshygiene

Als Ursprung und Keimzelle des heutigen Instituts für Präventivmedizin wurde am 1. Oktober 1958 am Institut für Hygiene der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock ein Lehrstuhl für Arbeitshygiene eingerichtet. Es war dies einer der ersten seiner Art in der damaligen DDR. Die Einrichtung befand sich zunächst im Gebäude der Medizinisch-theoretischen Institute.  Als Leiter wurde Eduard Kersten berufen. Das wissenschaftliche Profil wurde zu Anfang durch arbeitshygienische Probleme in der Seeschiffahrt, der Hochseefischerei und Fischverarbeitung, im mechanisierten Hafenumschlag und für die Lehrlingsausbildung im Schiffsbetriebsdienst bestimmt. Später erhielten "landgebundene" Problemen des Fachgebietes ein immer stärkeres Gewicht. Es wurden Fragen der arbeitsmedizinischen Jugendforschung, der Gesundheitsgefährdung von Schweißern, der Arbeitshygiene im Hotel- und Gaststättenwesen, der Kunstoffpyrolyse, der Professiografie und Rehabilitation bearbeitet. 1967 erhielt die Einrichtung ein neues, das noch heute aktuelle Domizil in der St. Georg-Straße 108 in der Nähe des Rostocker Hauptbahnhofes. 

1984-Institut für Arbeitshygiene

 Im Jahre 1984 wurde der Lehrstuhl und die damit verbundene Abteilung als "Institut für Arbeitshygiene" in den Status einer eigenständigen Struktureinheit der Medizinischen Fakultät überführt. Ekkehard Münzberger wurde als Direktor für die Fächer Arbeitshygiene / Arbeitsmedizin berufen. Nach der Aufnahme in die "Hauptforschungsrichtung Arbeitsbedingte Erkrankungen" galt die wissenschaftliche Arbeit vorwiegend der Erforschung komplexer Expositionsmuster, insbesondere den Beanspruchungswirkungen auf die simultane Exposition gegenüber Lärm und statischer Arbeit. Parallel dazu wurden Arbeiten zur Pyrolyse von Kunststoffen  bezüglich der Brandverhaltenseigenschaften von Schiffbauwerkstoffen fortgesetzt.  

1988-Institut für Arbeitsmedizin

Im Jahr 1988 wurde die Einrichtung zum Institut für Arbeitsmedizin umbenannt, dem 1990 auch der Betriebsärztliche Dienst strukturell zugeordnet wurde. Nach 1990 bestimmen zunächst Beiträge zur physiologischen Arbeitsgestaltung sowie die Weiterentwicklung diagnostischer Methoden der Leistungsphysiologie, Tauglichkeits- und Eignungsdiagnostik das Forschungsprofil. Die Entwicklung und Validierung von Methoden zur Erfassung der Wirbelsäulenbeanspruchung, die Überprüfung der Gültigkeit von Zumutbarkeitsgrenzen bei besonderen Formen statischer Belastung (Haltungsarbeit, Haltearbeit, Manipulieren von Lasten), Untersuchungen zur Erholungswirksamkeit unterschiedlicher Pausengestaltungen bei statischer Arbeit sowie Untersuchungen zur arbeitsmedizinischen Problematik von Narkosearbeitsplätzen sind hier zu nennen.   Im Bereich der universitären Lehre wurden zu Beginn der 90er Jahre die Aufgaben der vorher am Institut für Sportwissenschaft angesiedelten Dozentur für Sportmedizin durch das Institut übernommen. 

2000-Institut für Arbeits- und Sozialmedizin

Nachdem im Laufe des Jahres 2000 das Fachgebiet Sozialmedizin in die Einrichtung eingegliedert wurde, wurde diese in "Institut für Arbeits- und Sozialmedizin" umbenannt. Seit 2002 wird das Institut von Regina Stoll geleitet und arbeitet in der Forschung fokussiert an den in den 90er Jahren initiierten präventivmedizinisch geprägten arbeitsphysiologischen Fragestellungen, die medizinische und ingenieurwissenschaftliche Schnittstellen einschließen. Dem präventivmedizinischen Schwerpunkt des Instituts sind u.a. diagnostisch-analytische Arbeiten zur Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit, zur Schnittstellenproblematik bei der online-Kopplung komplexer arbeitsphysiologisch relevanter Sensorsysteme, die Ermittlung der aeroben Kapazität in verschiedenen Belastungstests und Verbesserung der Prognosesicherheit der maximalen Sauerstoffaufnahmefähigkeit bei submaximaler Belastung durch Herzschlagfrequenz-gestützte, Laktat-gestützte, RQ-gestützte, und Gasstoffwechsel-Trend-gestützte Schätzverfahren, schließlich auch die Weiterentwicklung der Anthropometrie und Calipermetrie als Methoden zur Objektivierung des Ernährungszustandes zuzuordnen. 

 2006-Institut für Präventivmedizin                                                                                         | arbeitsmedizin | sportmedizin | sozialmedizin |

Im Jahr 2006 wurde auf Initiative der Gründungsdirektorin Regina Stoll aus der bisherigen Einrichtung das zur Medizinischen Fakultät und zum Universitätsklinikum gehörige Institut für Präventivmedizin gegründet, das an der Weiterentwicklung dieses Wissensgebietes arbeitet. Erstmals wurde damit im deutschsprachigen Raum ein Institut gegründet, das die 3 originären präventivmedizinischen Fachgebiete vereinigt. Hiermit wurde der Bedeutung dieser Spezialisierung für eine moderne medizinische Forschung und Lehre an der Universitätsmedizin Rostock Rechnung getragen und neue Möglichkeiten für eine zukünftige Versorgung mittels innovativer evidenzbasierter Methoden in der medizinischen Prävention eröffnet.

In der Lehre für die präventivmedizinischen Fächer werden an drei Fakultäten (Medizin, Informatik / Elektrotechnik, Philosopie / Sport) die Fachgebiete Arbeitsmedizin, Sportmedizin und Sozialmedizin für die Universität Rostock vertreten. Daneben werden 2 Querschnittsfächer (Prävention & Gesundheitsförderung sowie Gesundheitsökonomie) angeboten und moderiert.

Das Institut für Präventivmedizin (IPM) arbeitet nunmehr verstärkt an Themen validierter Methoden der Präventiven Medizin, oft duch arbeitsphysiologische Methoden einer psychophysiologischen Belastungs-/Beanspruchungsforschung begleitet. Im IPM wird in diesem Zusammenhang an einer Reihe von Drittmittelprojekten gearbeitet. Im leistungsphysiologischen Bereich wird an der methodischen Weiterentwicklung diagnostischer Prozesse für Arbeits- und Sportmedizin geforscht. Das IPM beteiligt sich an der Profillinie Aging Sciences and Humanities und ist (Gründungs-) Mitglied der Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtung CELISCA (Center for Life Science Automation) der Universität Rostock. Hier werden insbesondere interdisziplinäre Vorhaben an der Schnittstelle zwischen Arbeitsphysiologie und Ergonomie im Bereich der Analyse von Mensch-Maschine-Interaktionen an hochautomatisierten Prozessen der Biotechnologie bearbeitet, gemeinsam mit der informationstechnischen Fakultät der Universität Rostock sowie dem Center for Life Science Automation. Weitere in Projekten geförderte Arbeiten betreffen effektiv anwendbare Modellierungen arbeitsphysiologischer Beanspruchungen mit Fuzzy-Modellen und die Entwicklung neuer multiparametrischer Feldmesstechniken.

Das Institut hat erfolgreich seine Internationalisierungsstrategie insbesondere mit Partnerschaften in den USA entwickelt. Im 2008 unterzeichneten, neu aufgelegten Universitätsvertrag mit der North Carolina State University Raleigh NC (USA) nimmt das IPM mit seinem fachlichen Fokus ein Engagement im Bereich Ergonomie für die Universität Rostock wahr. In der Universitätskooperation mit der UAH Huntsville AL (USA) arbeitet das IPM seit 2010 im Themenbereich "IT supported Health". Mehrere Wissenschaftler des IPM und von CELISCA wurden in diesem Rahmen zu Adjunct Professoren an der UAH (seit 2011) und an der NCSTATE (seit 2004) ernannt.

Die Thematik einer evidenzbasierten und individualisierten Präventivmedizin wird insbesondere mit Instrumenten eines am IPM entwickelten präventivmedizinisch orientierten mobile Health (mHealth) weiter entwickelt, wofür das IPM mit dem "Leonardo-Preis für Digitale Prävention 2012" ausgezeichnet wurde.

Seit August 2015 wurde das Tätigkeitsspektrum des IPM über den Bereich von Forschung und Lehre hinaus um präventivmedizinische Betreuungsangebote - hier insbesondere durch die Arbeitsbereiche Betriebsärztlicher Dienst, Präventivmedizinische Ambulanz und BGM für die Universitätsmedizin Rostock und für ihre Tochtergesellschaften sowie als Angebot an die Region - erweitert worden.

Die Verleihung der "Joseph-Rutenfranz-Medaille 2016" durch die DGAUM an Regina Stoll ist für das IPM eine besondere Motivation auf dem eingeschlagenen Weg der Überführung moderner arbeitsphysiologischer Methoden und Erkenntnisse in die ärztliche Praxis weiter zu arbeiten.